Praktische Content Formate für Social Media • www.sebastian-belle.de
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Sitzt du auch manchmal planlos vor dem Bildschirm und hast einfach keine Idee, wie du deine Geschichten für deine Social Media Follower erzählen kannst? Welche Content Formate es überhaupt gibt und wann welches Content Format in deiner Social Media Kommunikation am meisten Sinn macht?

Das Problem kenne ich. Andere Marken und Unternehmen kommen manchmal auf erstaunliche Ideen, wie sie ihre Botschaften verpacken und entwickeln sogar völlig neue Content Formate – wie von Zauberhand. Aber du selbst nicht.

Keine Sorge. Damit bist du nicht allein. Vielen geht es so. Selbst den Profis.

Deshalb stelle ich dir in diesem Artikel 7 nützliche und einfache Content Formate vor, die dir bei der Erstellung von Inhalten für deine Social Media Kommunikation helfen werden.

Oder du nutzt sie zur Inspiration, um deine ganz eigenen Content Formate zu entwickeln.

Die beliebtesten Content Formate für Social Media im Überblick:

1. Behind-The-Scenes oder Backstage Beiträge


Behind-the-Scenes bzw. Backstage Beiträge eignen sich hervorragend, um den Menschen einen Einblick in dein Unternehmen und deine Unternehmens- oder Markenwelt zu geben.

Das Unternehmen Hootsuite nutzt zum Beispiel YouTube als Kanal für typische Behind the Scenes Beiträge. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=8tFw72Wnci0

Viele Unternehmen nutzen dieses Content Format, um neue Bewerber*Innen anzuziehen und ihnen die Chance zu geben, vorab das Unternehmen besser kennenzulernen. Und das funktioniert auch sehr gut. Denn welcher Bewerber checkt nicht vor der Bewerbung schnell einmal die Social Media Kanäle des neuen Arbeitgebers?

Am besten eignen sich Behind-the-Scenes oder Backstage-Beiträge in Form von Videos und Fotos.

Wieso?

Weil Emotionen am besten mit Video oder Bilder eingefangen werden. Bei Video kommt sogar noch der Ton dazu, was bei emotionalen Botschaften vorteilhaft ist.

Wichtig: Denke bitte daran, dass Videos in Social Media nicht automatisch mit angeschalteten Ton abgespielt werden.

Empfehlenswerte Social Media-Netzwerke sind zum Beispiel:

  • Instagram
  • Facebook
  • YouTube
  • LinkedIn

Das wichtigste Motiv im Beitrag ist der Mensch. Emotionen und Geschichten mit und über Menschen spielen auf Social Media immer noch eine entscheidende Rolle.

In Zeiten von #FakeNews und Anonymität im Netz, sind authentische Geschichten von echten Menschen besonders wichtig, wenn wir Beziehungen aufbauen wollen.

So habe ich das Format kennen und schätzen gelernt.

Als ich früher in einem StartUp arbeitete, nutzten wir ein Videotagebuch (kurz: VLog) und erstellten wöchentliche 5-Minuten Folgen für YouTube. Die Video-Folgen vermarkteten wir mittels E-Mail Signatur, am Telefon und überall wo wir sonst noch Kontakte zu Kunden und Interessenten fanden.

Was sich herausstellte: Unsere Follower haben das VLog verschlungen. Wir bekamen ausschließlich positives Feedback und sogar neue Kunden-Beziehungen entstanden daraus.

Wir zeigten uns in den Folgen ungeschminkt und authentisch, mit einer gehörigen Portion Spaß bei der Arbeit, aber trotzdem professionell. Das kam gut an.

2. Kommentare zum Tagesgeschehen und aktuellen Trends


Einige Unternehmen nutzen aktuelle Themen und Dinge, die täglich auf der Welt geschehen, und kommentieren sie. Damit zeigen sie ihren Followern, dass sie stets über das Weltgeschehen aktuell informiert sind und aktuelle Trends auf dem Radar haben.

GUTE NACHRICHT DER WOCHEEndgültiges Aus für den ultimativen Büro-Nervenkitzel: Ab sofort könnt Ihr Eure USB Sticks…

Gepostet von innocent am Freitag, 12. April 2019
Das Unternehmen Innocent verbindet Kommentare zum Tagesgeschehen auf sympathische Art und Weise.

Info: Heute wird in vielen Bundesländern geblitzt. 🚘

Gepostet von Sixt am Mittwoch, 3. April 2019
Sixt informiert auf der Facebook-Seite über den Blitzmarathon 2019 in Deutschland.

Aber bitte keine neuen News-Ticker!

Unternehmen sollen jetzt keinesfalls auf die Idee kommen und einen neuen News-Ticker aufmachen oder die Tageszeitung von nebenan mimen. Aber das ein oder andere Thema aufgreifen und das eigene Statement dranhängen, das kann ein schlauer Schachzug sein.

Nachteil ist: Es verlangt große Flexibilität bei der Content-Erstellung. Denn es gibt Themen, die entwickeln sich über Nacht und am nächsten Tag sind sie “das Thema” in allen Medien.

Dann darf man sich nicht wundern, wenn plötzlich der Chef neben einem steht und die Tagespläne durcheinander rüttelt.

Ein Beispiel aus der Praxis.

Als große Hackerangriffe in den Medien publik wurden, da haben Unternehmen ihre Sicherheitschefs, IT-Mitarbeiter und Co. zu dem Thema interviewt und innerhalb kurzer Zeit auf der Themen-Welle mitsurfen können.

Daraufhin wurden sogar regelrechte Kommunikationskampagnen entwickelt. Denn das Thema war noch lange nicht out.

Mit den eigenen Mitarbeitern wurden weitere Gespräche geführt und daraufhin Anleitungen, Guides und Tipps konzipiert, wie man sich selbst vor Hackerangriffen am besten schützen kann.

Sicherheitsbeauftragte haben sich gefreut, wie bei der Einschulung. Denn hier konnten sie auch noch ihren Senf dazugeben und nochmal betonen, wie man sein Passwort sicher wählen kann. Und so weiter und so weiter.

Ich hoffe du verstehst, worauf ich hinaus will?

3. Ankündigungen


Steht vielleicht bald eine interessante Veranstaltung an, die von deinem Unternehmen entweder selbst veranstaltet wird, oder Kolleg*Innen daran teilnehmen?

Perfekt! Denn dann hast du bereits passende Möglichkeiten daraus Content zu entwickeln.

Entrepreneur Media veröffentlicht eine letzte Meldung über ein anstehendes Webinar für interessierte Nutzer auf LinkedIn.

Heute Abend ist es wieder soweit und Brose Bamberg stellt sich Alba Berlin 🏀 Wir wünschen viele Körbe und feuern das Team aus der Kurve an!

Gepostet von Sixt am Sonntag, 31. März 2019
Sixt kündigt auf Facebook ein Basketballspiel der Brose Baskets an. Obwohl das Unternehmen ja bekanntlich Autos vermietet und keine Verbindung zum Basketball aufweist.

Einmal kannst du die Veranstaltung ankündigen und andere Teilnehmer dazu einladen (falls du das möchtest).

Als zweite Option rückst du das Veranstaltungs-Thema in den Vordergrund deines Inhalts und erwähnst die kommende Veranstaltung eher am Ende. Falls du zum Beispiel nicht selbst Veranstalter oder Sponsor des Events bist, dann empfehle ich dir diese Option.

Tipp: Falls du selbst Veranstalter bist, und die Veranstaltung Eintritt kostet, kannst du dir auch überlegen “Gratis-Tickets” für deine Follower anzubieten oder daraus sogar ein Gewinnspiel zu machen.

Während der Veranstaltung kannst du natürlich selbst oder Teammitglieder über Social Media kommunizieren lassen. Hier kann ich Twitter aus eigener Erfahrung wärmstens empfehlen.

Mit dem passenden Hashtag von Konferenzen, Veranstaltungen und der eigenen Marke zeigst du deinen Followern, dass dein Unternehmen die aktuellen Trends deiner Branche verfolgt, sowie sich selbst oder andere weiterbildet.

Tipp für eine optimale Kommunikationsplanung:
Empfehlenswert ist ein Veranstaltungskalender, in dem du alle Termine für das aktuelle und das nächste Jahr dokumentierst. Diesen bitte an das gesamte Team weiterleiten (Transparenz) und dann entscheiden, für welche Veranstaltungen kommuniziert werden darf und sollte.

4. Fragen


Fragen? Ja, Fragen! Frage deine Follower über Social Media.
Warum? Na, ganz klar. Weil du so eine Verbindung zu ihnen herstellst. Du zeigst ihnen damit, dass sie und ihre Antworten/Meinungen wichtig sind. Und ich hoffe, das ist dann auch wirklich so?!

#Viertelfinale im Pokal, here we come! 😍 Wem drückt ihr heute Abend die Daumen? 💪 #pokalspiel #scphsv #fcarbl #fcbfch #s04svw

Gepostet von Coca-Cola am Dienstag, 2. April 2019
Coca Cola Deutschland kündigt ein Fussballspiel an und fragt seine Follower für wen sie tippen.

Wenn Fasten Verzicht bedeutet, ist Break-Fasten dann das Gegenteil von Fasten?

Gepostet von innocent am Sonntag, 24. März 2019
Innocent fragt Fragen, auf die kommt man eben nicht so schnell. #Unterhaltung pur.

“Hey, wie geht’s dir? Wo drückt dein Schuh? Was ist deine Meinung zum Thema xy?”

Viele Unternehmen trauen sich nicht – warum?

Ich vermute sie denken, dass ihnen die Kommunikation aus dem Ruder laufen würde (z.B. Shitstorms und Co.). Oder es passt einfach nicht in die Kommunikationsstrategie.

Ich sehe im Dialog über Social Media die großartige Chance, dich mit deinen Followern zu verbinden und mal ganz ehrlich – wirklich social zu sein.

Social Media sind nicht umsonst soziale Medien. Sie helfen uns miteinander zu verbinden, uns auszutauschen. Und Fragen zu stellen ist eine nützliche Methode, um miteinander ins Gespräch zu kommen, oder wie siehst du das?

5. Features & Curated Content


Features sind für mich nichts anderes als kuratierte Inhalte (eng. Curated Content).

Und sie eignen sich hervorragend für unseren Kommunikationsmix über Social Media. Kuratierte Inhalte sind nicht neu, werden aber durch die Geschwindigkeit unserer digitalen Kommunikation immer wichtiger im Content-Mix.

Täglich erscheinen auch von deinen Wettbewerbern und anderen Marken jede Menge nützliche und wertvolle Informationen.

Es ist sehr viel leichter bereits vorhandene Inhalte zu nutzen (und zu teilen), als eigene Beiträge teuer und aufwändig zu erstellen.

Viele Social Media Manager und Experten raten zu einem Verhältnis von 1:4 zwischen eigenem (owned) und fremden (curated) Content. Man erkennt übrigens auch hier das Pareto-Prinzip (80/20) sehr deutlich. Bei 8 Posts wären das 2 eigene und 6 kuratierte Inhalte.

Microsoft Germany bedient sich zum Beispiel hier an einem Artikel von n-tv.de
Hier zitiert Microsoft Germany einen Artikel vom Autor “ver_bloggt”, der auf mobilegeeks.de erschienen ist. Mit @-Mentions (eng. Erwähnungen) benachrichtigt und zitiert Microsoft die Urheber der Ursprungs-Nachricht.

Mal ehrlich – wer kann denn heutzutage bei der Produktion von nützlichen, wertvollen und kreativen Inhalten noch mithalten? Deshalb wird das Kuratieren von Fremd-Inhalten immer wichtiger.

Als Inhalte-Kurator recherchierst, sortierst und überprüfst du Quellen und Informationen. Danach fügst du deinen Standpunkt oder Argumente hinzu, und kommentierst die fremden Inhalte.

Wichtig: Klaue keine fremden Inhalte und gebe sie als deine eigenen Beiträge aus. Sei fair dem Urheber gegenüber und zitiere ihn auch entsprechend. So entstehen übrigens auch Beziehungen über Social Media. 

Kurzum: Du teilst fremde Inhalte und fügst deinen eigenen Senf hinzu. Früher war es sogar noch freundlicher, da dankte man dem Urheber für seinen wertvollen Beitrag im Social Web.

Die einfachste Methode des Kuratierens über Social Media:
Du teilst die Beiträge anderer mit dem Teilen-Knopf (eng. Share-Button).
Dann kommentierst du den geteilten Beitrag aus deiner Perspektive und mit deiner Meinung dazu. Z.B. erwähnst du tolle Passagen (Zitate) oder wie wichtig du XY findest. Urheber verlinken. Fertig!

Du kannst nicht alle wertvollen Beiträge selbst erstellen. Das ist auch gar nicht nötig. Deine Follower freuen sich, wenn du deine Themen auch aus anderen Quellen kommunizierst. Denn das macht aus dir einen Experten. Jemanden der über den eigenen Tellerrand schaut und sich auch auf andere tolle Inhalte bezieht.

Und übrigens:

Sharing is caring.

6. How-To Beiträge (Tipps und Tricks)


Diese Content Format ist nützlich und besonders wertvoll. Denn wir Menschen hassen Probleme, Herausforderungen und Möbel aufzubauen. Aus diesen Problemen wurde dieses Content Format entwickelt.

Lösungen, Tipps und Möbelaufbau-Anleitungen sind die Folge. Und dieses Konzept lässt sich wunderbar in die sozialen Medien übertragen.

Selbstpräsentation: Die 3 genialsten Einstiegssätze, Vorstellungsgespräch (Beispiel) // M. Wehrle Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=CjIbh7h8HG4

Linkedin erklärt auf seiner eigenen Plattform, wie man am besten visuell kommuniziert.

Think with Google erklärt auf Linkedin, wie sich der Customer Lifetime Value bemessen lässt.

Ich glaube jeder von uns hat bestimmt schon mal nach einer Anleitung oder How-To Videos im Netz gesucht und gefunden.

Es ist das ideale Content Format für dich, wenn du gerne erklärst, wie etwas funktioniert oder du Experte in etwas bist.

Das How-To Content Format ist übrigens das am meisten geteilte Format in den Social Media. Denn der Nutzen steht absolut im Vordergrund. Es wird ein Problem im Idealfall anschaulich gelöst – so einfach ist das.

Wie das Fahrrad repariert wird, wie die Balkonpflanzen gegossen werden dürfen, wie Küchenregale montiert werden – das alles wird erklärt. Schritt für Schritt.

Dieses Content Format können Unternehmen wunderbar adaptieren.

Die Themen von How-To Videos müssen noch nicht mal zwangsweise etwas mit dem eigenen Unternehmen zu tun haben. Es gibt zahlreiche Themen, die unabhängig von Produkten oder Dienstleistungen erklärt werden können.

Zum Beispiel würde es mich wahnsinnig interessieren, wie die Geschäftsführung eines Unternehmens den Tag strukturiert zwischen 10 Meetings und abendlichen Terminen. Wann und wie werden E-Mails bearbeitet? Gibt es überhaupt noch Schlaf?

Erwähnenswert ist an der Stelle das Unternehmen Wistia.
(Ich wurde übrigens leider nicht für diese Erwähnung bezahlt.)


Wistia ist ein amerikanischer Dienstleister und vertreibt eine professionelle Möglichkeit Videos in einer Cloud zu hosten.

Sie fingen an Videos zu produzieren, in denen sie zeigten und erklärten, wie Unternehmen die besten Videos produzieren und wie sie einfach eigene Studios zusammenbauen (mit Licht-Equipment, Kameras und Co.). Und natürlich wie man am besten vor der Kamera spricht, wie man das Storyboard und Konzept schreibt usw.

Dadurch schufen sie eine Community aus Filmschaffenden und Künstlern, die natürlich irgendwann einmal das eigentliche Produkt von Wistia (die Video-Distributionsplattform) testeten.

Raffiniert, oder?


7. Thought Leadership oder Hero-Inhalte

Es gibt nichts Schöneres als die eigenen wertvollen und in der Regel teuren Inhalte zu vermarkten. Thought Leadership Inhalte ist ein Content Format für alle diejenigen, die einen Expertenstatus aufbauen möchten. Unternehmensmarken können natürlich auch für sie wichtige Themenfelder in ihrer Kommunikation anführen.

Beispiel von McKinsey & Company auf LinkedIn. Hier vermarkten sie ihre Studie “Mc Kinsey Quarterly”.

Im zweiten Beispiel von McKinsey & Company kann man beobachten, dass vor allem Daten, Beweise und Zitate in Thought Leadership Beiträgen wichtig sind.

Häufig benutzen Unternehmen beispielsweise Studien, Whitepaper oder Trend-Berichte, die oftmals sehr aufwändig produziert und teuer entwickelt werden.

Auf diese Inhalte können wir thematisch wunderbar in einer ganzen Social Media Beitrags-Serie hinweisen. Zum Beispiel bieten sich einzelne Themen oder Kapitel von Studien an, um auf die Landingpage der Studie hinzuweisen.

Aus einem Inhalt können wir somit mehrere Social Media Beiträge produzieren. Im Prinzip nennt sich das Content Repurposing. Das funktioniert ganz einfach.

Du machst aus einem großen Content-Stück viele kleine Einzelne. Und sie alle verlinken hinterher auf die Seite deiner Studie.

Alle Content Formate zum Notieren:


  1. Behind-the-Scenes & Backstage Beiträge
  2. Kommentare zum Tagesgeschehen und aktuellen Trends
  3. Ankündigungen
  4. Fragen
  5. Features & kuratierte Inhalte
  6. How-To Beiträge (Tipps und Tricks)
  7. Thought Leadership

Wie du merkst gibt es jede Menge Social Media Content Formate, die du für deine eigene Kommunikationsstrategie nutzen kannst.

Probiere sie am besten aus und überprüfe, wie sie bei deinem Publikum ankommen. Frage an der einen oder anderen Stelle ruhig auch mal direkt nach, was dein Publikum wünscht.


Wenn dir der Artikel weiterhilft, freue ich mich sehr. Teile ihn gerne mit Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen.
Gerne lese ich auch dein Feedback oder deine Rückfragen in den Kommentaren und beantworte sie auch sorgfältig.

Vielen Dank und bis bald.



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