Schreiben mit KI: Warum klare Don’ts der Textkultur guttun

KI macht Schreiben einfach(er). Ein paar Stichworte, ein Klick und schon liegt ein fertiger Text vor mir. Doch oft spüre ich sofort: Das klingt nicht nach mir. Nicht nach einem Menschen, sondern nach Maschine. Woran liegt das?

Schreiben mit KI: Warum klare Don’ts der Textkultur guttun

Woran man KI-Texte erkennt

KI-Texte wirken häufig zu glatt. Keine Kante, kein Mut zum Bruch.
Beispiel gefällig?

Variante KI:
„In der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, effizient zu kommunizieren. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass KI den Schreibprozess optimiert.“

Solche Sätze rauschen durch. Sie bleiben nicht hängen. Stimmts?

Variante Mensch:
Ich will wissen, wie jemand denkt. Was ihn zweifeln lässt, was ihn antreibt.
Das findet sich selten in Standardfloskeln, sondern da, wo jemand etwas wagt: einen Rhythmuswechsel, eine irritierende Beobachtung, einen Gedanken, der nicht zu Ende geführt ist.


Don’ts als Werkzeug: So wird der Text menschlich

Die folgenden Don’ts sind mein persönlicher Filter. Sie helfen mir, aus KI-Rohtext einen Text zu machen, der etwas mehr nach Mensch klingt:

  1. Keine generischen KI-Formulierungen
    Alles, was nach „In der heutigen Zeit…“ klingt, fliegt raus.
    Auch die beliebten Abschlussfloskeln sortiere ich aus.
    Ich frage mich: Würde ich das so sagen? Wenn nicht, löschen.
  2. Keine typischen LLM-Muster
    Ich merke, wie schnell KI alles in Listen packt.
    Aber manchmal braucht es einen Umweg, eine kleine Schleife, statt Punkt für Punkt.
    Beispiel:
    KI
    : „Im Folgenden nenne ich drei Vorteile…“
    Ich: „Worüber ich oft stolpere: KI schlägt immer drei Lösungen vor. Manchmal reicht eine Beobachtung.“
  3. Gedankenstriche sparsam einsetzen
    Ein Gedankenstrich kann Luft schaffen. Aber zu viele davon – da merke (nicht nur) ich, dass die KI Struktur simuliert.
    Ich lasse sie nur stehen, wenn sie wirklich gebraucht werden. Und das geschieht neuerdings noch seltener als früher. Denn die KI-Sprachpolizei zählt Gedankenstriche in Onlinetexten und überführt dich sofort!
  4. Keine künstliche Überstrukturierung
    Mein Text endet nicht mit „Fazit:“
    Stattdessen lasse ich einen Gedanken lieber offen stehen. Manchmal hilft eine Frage:
    „Was passiert eigentlich, wenn wir KI einfach mal machen lassen und dann hinhören, wo es nicht passt?“
  5. Natürlichkeit vor Perfektion
    Ich lasse Rhythmusbrüche zu. Ein Satz darf mal holpern.
    Das ist Leben, kein Prüfungsaufsatz. Und vor allem ist nicht jede oder jeder mit einem Schreibtalent gesegnet oder weltberühmte Journalistin.
  6. Keine Effizienzsprache
    „Optimiert“? „Wachstumstreiber“? Das klingt nach PowerPoint, nicht nach Gespräch. Obwohl solche Begriffe gerne mal in Unternehmensberatungen auftauchen. Ich spreche lieber über Dinge, die ich wirklich beobachte. Nicht über das, was im Lehrbuch oder dem Jahresreport steht.
  7. Keine Motivationsrhetorik
    Kein „Du schaffst das!“, kein „Lass dich inspirieren!“.
    Es reicht, einen Gedanken zu teilen, der Resonanz erzeugt. Ohne Appell.

Was bleibt, wenn die Don’ts ernst genommen werden?

Der Text bekommt Ecken und Kanten.
Manchmal steht da ein Gedanke, der nicht sofort „funktioniert“.
Aber genau das macht ihn menschlich.

Für mich steht fest:

KI ist ein Werkzeug. Sie beschleunigt die Konzeption, aber den Charakter bringe ich ein. Wer KI-Texte wirklich menschlich machen will, muss mutig Grenzen setzen und mit der Zusammenarbeit experimentieren.
Probier’s aus: Nimm einen fertigen KI-Text und halte ihn an deine eigenen Don’ts.

Was bleibt übrig?
Was entsteht Neues?

Ich bin gespannt, wie du darüber denkst.
Woran erkennst du KI-Texte auf den ersten Blick?
Und an welcher Stelle darf der Text ruhig mal stolpern?