Wenn die Maschine in 30 Sekunden liefert

KI verändert unsere Arbeit. Nicht durch Ersatz, sondern durch neue Aufgaben. Rollen wie Social-Media- oder Marketing-Manager:innen erfinden ihre Arbeit neu.

Wenn die Maschine in 30 Sekunden liefert

Ich saß vor ein paar Monaten mit einer Kollegin zusammen und wir haben ausprobiert, wie schnell ein KI-Tool zehn Varianten für einen Social-Media-Post generiert. Dreißig Sekunden. Vielleicht weniger.

Ich war beeindruckt. Und fast gleichzeitig kam diese Frage, die ich seitdem nicht wirklich loswerde: Was ist eigentlich noch mein Job?

Nicht dramatisch gemeint. Eher als echte Frage, die ich mir erlaube zu stellen.

Ich arbeite seit Jahren mit Texten. Ich kenne das Gefühl, an einem Satz zu sitzen und nach der richtigen Formulierung zu suchen. Dieses Suchen war immer Teil der Arbeit. Teil des Denkens. Jetzt kann ein Tool diesen Schritt überspringen.

Was mich dabei mehr beschäftigt als die Geschwindigkeit: Ich merke, dass sich meine Aufmerksamkeit verschiebt. Ich bin weniger Autor und mehr Bewerter. Ich lese zehn Varianten und entscheide, welche davon passt. Oder ob keine passt. Oder ob ich etwas ganz anderes brauche.

Das klingt einfacher. Ist es manchmal. Aber es ist auch eine andere Art von Arbeit. Eine, für die niemand in meinem Team explizit ausgebildet wurde.

Und ich bemerke noch etwas: Die Fragen, die ich mir heute stelle, sind andere als früher. Früher: Wie formuliere ich das? Heute: Stimmt das mit unserer Haltung überein? Passt das zur Marke? Habe ich den richtigen Kontext mitgegeben? Es ist weniger Handwerk und mehr Urteilsvermögen. Ob das mein Team genauso erlebt, weiß ich nicht. Aber ich glaube, genau das wäre ein Gespräch wert.

Ich frage mich, wie wir in einem oder zwei Jahren auf diese Verschiebung schauen. Ob wir dann sagen: Da hat sich unsere Arbeit verändert. Oder ob wir sagen: Da haben wir den Wechsel verpasst.

Ich weiß es noch nicht. Aber ich glaube, das ist die richtige Frage, um jetzt damit anzufangen.